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Struktur und Einfachheit

Uwe Lorenz und Kurt Niemann stellen in der Galerie K34 aus

Uwe Lorenz ist 66 Jahre alt, Kurt Niemann sogar 78, und beide betrachten sich eigentlich nicht als Künstler. Das allerdings dürfte falsche Bescheidenheit sein, denn das Duo zeigt in seiner am Sonnabend eröffnenden Ausstellung in der Galerie K34 Arbeiten von bemerkenswerter Qualität und Ästhetik.

Uwe Lorenz ist Musikfan und fotografiert eindrucksvolle Konzertbilder.
Uwe Lorenz ist Musikfan und fotografiert eindrucksvolle Konzertbilder.

Vor mehr als 50 Jahren bekam Uwe Lorenz seine erste Kamera geschenkt. Eine kompakte Agfa für 50 Mark. Was ihn nicht daran hinderte, sich mit wachsender Leidenschaft der Fotografie zu widmen. Heute kommt die Technik aufwendiger daher, die Philosophie der Einfachheit pflegt der Kieler aber nach wie vor. Grundsätzlich ohne Blitz und fast immer ohne Nachbearbeitung fängt der gelernte Schriftsetzer seine Motive ein, sein wichtigstes Werkzeug ist mithin das Auge.

„Die Sicht auf die realen Dinge hat sich durch die Fotografie schon verändert“, sagt Lorenz, der in der K34 eine Reihe wunderbarer Konzertbilder zeigt, aber auch Reisefotografien und eine an Schönheit kaum zu überbietende Aufnahme der „Queen Elisabeth“, morgens um 3 Uhr eingefangen vom Bülker Leuchtturm aus.

Kurt Niemann zeigt im Hinterhaus de Galerie Holzskulpturen, Bilder und Videos.
Kurt Niemann zeigt im Hinterhaus de Galerie Holzskulpturen, Bilder und Videos.

Kurt Niemann lebt derweil seine Kreativität auf vielerlei Weise aus. Meditative Kraft entfalten seine Fotos und Videos von Wasser, das sich mit Farbstoffen oder auch ganz normaler Milch mischt. Je nach Drehung und Impuls entstehen immer wieder neue Formationen, die letztlich doch nach einer Struktur streben. „Das ist das Faszinierende daran“, meint der Maschinenbautechniker, der mit Kettensäge und Schleifmaschine in seinem Garten auch Holzskulpturen fertigt.

Immer wieder verfremdet er dabei die Figuren mit Farbe und geometrischen Elementen, weil sie ihm sonst einfach zu glatt und harmonisch erscheinen würden. „Ich muss abstrahieren können“, sagt der Mann, der wie gesagt eigentlich gar kein Künstler sein will.

Die Ausstellung „Bestimmtes Unbestimmt“ in der Galerie K34, Medusastraße 14, wird am Sonnabend, 3. März, um 19 Uhr mit Live-Blues eröffnet. Danach ist sie bis zum 5. April mittwochs von 15.30 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 20 bis 0 Uhr zu sehen.
Text und Fotos: Martin Geist

Kurt Niemann

Korpus blau
Korpus blau

Kurt Niemann
Geboren am 24.06.1939 in Kiel

Beruflich habe ich mich überwiegend mit metallischen Werkstoffen beschäftigt.
Auf der Suche nach einem warmen lebendigen Gegenpol habe ich die Beschäftigung mit Bäumen und Wasser für mich entdeckt.

Ein Reiz liegt für mich darin, ein Objekt, die Bäume und das Wasser in eigener Initiative und Kreativität zu erforschen, die Vielfältigkeit sowie das Komplexe phänomenologisch zu verstehen und sich dadurch beeinflussen zu lassen, um das Wesentliche zu erkennen, um mit neuen Ideen dann dieses Wesentliche weiter zu entwickeln.

Im Prozess wird die Subjekt-Objekt Spaltung aufgehoben und mündet durch Tätigkeit in ein Etwas, ein Produkt, eine Skulptur.
Bei der Formengestaltung der Skulpturen leitet mich eine ständige Wechsel-beziehung zwischen dem Bestimmen und dem Bestimmt werden.
Dabei habe ich gelernt, den Baum als ein lebendiges, achtbares Wesen zu verstehen.

Den Reiz des begrenzt Bestimmbaren gibt es auch bei meinen sogenannten flüssigen Bildern und Video mit verschiedenen Flüssigkeiten, bei denen die Formengestaltung fast unmöglich ist.
Die Flüssigkeiten bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen laminaren und chaotischen Zuständen.
So werden auch sie zu etwas Bestimmten / Unbestimmten.

Diese Dialektik beinhaltet für mich nachdenken, lernen, diskutieren und schreiben.
Der Umgang mit beiden Medien hat mein Denken und meine Identität verändert.

Kurt Niemann
Homepage: kurt-niemann.de.tl

Uwe Lorenz

Self Portrait Uwe Lorenz
Self Portrait Uwe Lorenz
  • Geboren im Jahr 1951.
  • Keinerlei künstlerische Ausbildung.
  • Dafür den ersten Fotoapparat mit 14 Jahren geschenkt bekommen.
  • Bin wirklich kein „Foto-Techniker“ sondern eher ein harmloser „Knipser“. Mit Spaß dabei.
    Ein paar Leute sagen mir nach, ich hätte ein „gutes Auge“.
  • Diese Entscheidung überlasse ich den Ausstellungsbesuchern.

André Zwinckmann

Cyanotypie – Fototransfer – Lomographie

Aufgewachsen mit den unterschiedlichsten Filmformaten, lernte ich während einer Projektwoche der Gesamtschule Friedrichsort den Umgang mit der Spiegelreflexkamera und dem Fotolabor kennen. Seit dieser Zeit ist die Fotografie ein wichtiger Teil meines Lebens.

Über die Jahre kam ich auch zur digitalen Fotografie und freute mich anfangs die Resultate meiner Bemühungen sofort betrachten zu können. Nach einiger Zeit vermisste ich jedoch viele Eigenheiten der analogen Fotografie und entdeckte gleichzeitig die Lomographie für mich.

Dadurch entwickelte sich eine Begeisterung für alte Kameras die von vielen Menschen verspottet werden, aber meiner Meinung nach ein perfektes Werkzeug sind, um sich mit seinen Fotos von der immer schneller entwickelnden Welt der schrumpfenden Kameras mit schwellenden Megapixeln zu erholen. Die Spannung auf das Produkt der Entwicklung zu warten hat seinen ganz eigenen Reiz. Eine Entschleunigung die oft zu Überraschungen führt, und mich dazu anregte verschiedene Techniken auszuprobieren.

Inzwischen fotografiere ich immer weniger mit der digitalen Kamera sondern packe eher eine analoge Kamera in die Tasche oder den Rucksack. Einige Produkte meiner analogen Begeisterung sind auch unter https://www.lomography.com/homes/z-mann/photos zu finden. Dort findet auch jeder der selber einmal solche Versuche unternehmen möchte viele Anregungen dafür, sowie fast unendlich viele Beispiele für eine ganz besondere Art der Kunst.

André Zwinckmann – Februar 2017